Breast Implantat Illness
und Brustimplantat-Entfernung

Was Patientinnen über En-bloc-Explantation und Kapsulektomie wissen sollten

Diese Seite richtet sich an Patientinnen mit Brustimplantaten, die sich über die Entfernung der Implantate und verschiedene Operationsmethoden informieren möchten.

Die Breast Implant Illness (BII), auf Deutsch Brustimplantat-Krankheit, bezeichnet eine Reihe systemischer Symptome, die manche Frauen nach einer Brustvergrößerung oder -rekonstruktion mit Silikon- oder Kochsalzimplantaten entwickeln. Sie umfasst Symptome wie chronische Müdigkeit, „Brain Fog“ (Konzentrationsstörungen), Gelenk-/Muskelschmerzen, Haarausfall, Hautprobleme und Autoimmun-ähnliche Beschwerden.

Ziel ist es, die Unterschiede zwischen En-bloc-Explantation, totaler und partieller Kapsulektomie verständlich zu erklären, aktuelle medizinische Empfehlungen darzustellen und einen Überblick über Nutzen und Risiken zu geben. Eine Kapsulektomie ist die operative Entfernung der Narbengewebskapsel um ein Brustimplantat, meist aufgrund einer Kapselfibrose (Verhärtung), Schmerzen oder Implantatruptur.

Dabei wird auf komplexe Fachbegriffe verzichtet, damit Sie als Patientin eine informierte Entscheidung treffen können.

Was ist Breast Implant Illness (BII)?

Breast Implant Illness (BII), auf Deutsch Brustimplantat-Krankheit, beschreibt eine Vielzahl von Beschwerden, die manche Frauen nach dem Einsetzen von Brustimplantaten entwickeln. Dazu gehören Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Haarausfall, Hautausschläge und Beschwerden, die an eine Autoimmunerkrankung erinnern.

Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt keine allgemein akzeptierte Krankheitsdefinition bzw. Diagnostische Kriterien.

Die FDA erkennt BII als Patientenerfahrung an, aber nicht als definierte Krankheit.

Wichtig ist:

Nicht jede Frau mit Implantaten ist betroffen, aber wer solche Symptome bemerkt, sollte diese ernst nehmen und sich ärztlich beraten lassen.

Aktuell ist die direkte pathophysiologische Verbindung zwischen Brustimplantaten und der Breast Implant Illness (BII) nicht abschließend belegt. Die wissenschaftliche Forschung hierzu ist weiterhin im Gange; spezifische diagnostische Marker, die eine Erkrankung eindeutig nachweisen könnten, stehen derzeit nicht zur Verfügung. Eine offizielle Klassifizierung als Krankheit (ICD-10-Code) sowie die Anerkennung durch die WHO liegen bislang nicht vor.

Dennoch berichten sowohl Patientinnen als auch Ärztinnen von einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden nach Entfernung der Implantate – unabhängig davon, ob die Kapsel mit entfernt wurde oder nicht und abhängig vom intraoperativen Befund. Es gibt jedoch auch Veröffentlichungen und Erfahrungsberichte von Patientinnen, bei denen eine Explantation keine Besserung gebracht hat.

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Begriffserklärung: Was bedeuten En-bloc-Explantation, totale und partielle Kapsulektomie?

  • En-bloc-Explantation: Bei dieser Technik entfernt der Chirurg das Implantat zusammen mit der gesamten umgebenden Kapsel (Bindegewebe) in einem Stück, ohne das Implantat vorher zu öffnen oder zu beschädigen. Dies wird ursprünglich bei bösartigen Erkrankungen (z. B. Tumoren) angewendet, um eine Streuung zu vermeiden.

  • Totale Kapsulektomie: Hierbei wird die gesamte Kapsel entfernt, das Implantat kann dabei aber vorher herausgenommen werden. Die Kapsel wird also in mehreren Teilen entfernt, nicht zwingend „en-bloc“.

  • Partielle Kapsulektomie: Nur ein Teil der Kapsel wird entfernt, zum Beispiel wenn nur einzelne Abschnitte auffällig sind oder fest mit dem umliegenden Gewebe verwachsen sind.

Die Wahl der Methode hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Gesundheitszustand der Patientin, die Beschaffenheit der Kapsel und die medizinische Notwendigkeit.

Wann ist eine En-bloc-Resektion medizinisch sinnvoll?

Führende Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC), die American Society of Plastic Surgeons (ASPS) und internationale Konsensusgruppen empfehlen die En-bloc-Explantation in der Regel nur bei bestimmten Indikationen:

  • Bösartige Erkrankungen: Vor allem bei einer seltenen Krebsform, dem Brustimplantat-assoziierten anaplastisch-großzelligen Lymphom (BIA-ALCL) oder einem tumorverdächtigen Befund, ist die vollständige Entfernung von Implantat und Kapsel als Einheit notwendig.

  • Starke Kapselveränderungen: Wenn die Kapsel auffällig verändert ist (z. B. Verkalkungen, Verdickungen, starke Verhärtungen) oder einer starken Kapselfibrose (Baker III-IV), kann eine komplette Entfernung sinnvoll sein.

Bei reinen Wunschoperationen ohne krankhafte Veränderungen gibt es keine generelle Empfehlung für eine En-bloc-Operation, da sie meist mit erhöhtem Risiko verbunden ist.

Studienlage zur Symptomverbesserung: Was zeigen aktuelle Daten nach Implantatentfernung?

Viele Patientinnen berichten über unspezifische Beschwerden im Zusammenhang mit Brustimplantaten, wie Müdigkeit, Schmerzen, Konzentrationsstörungen oder Hautprobleme („Breast Implant Illness“).

Wissenschaftliche Studien zeigen:

  • Eine Verbesserung der Symptome ist nach Implantatentfernung häufig, unabhängig davon, ob eine En-bloc-Resektion, totale oder partielle Kapsulektomie durchgeführt wurde.

  • Der entscheidende Faktor ist die Entfernung des Implantats, nicht zwingend die vollständige Entfernung der Kapsel.

  • Aktuelle Datenlage: Es gibt bislang keine hochwertigen Studien, die belegen, dass die En-bloc-Resektion bei Patientinnen ohne Tumorleiden einen zusätzlichen Nutzen für die Symptomverbesserung bringt.

Die Entscheidung für die Operationsmethode sollte daher individuell und unter Berücksichtigung der Risiken abgewogen werden.

Wenn Sie sich tiefergehend zum Thema „Breast Implant Illness“ (BII) informieren möchten, empfehlen sich folgende wissenschaftliche Studien und Übersichtsarbeiten:

  • Lee, K., et al. (2021): „Breast Implant Illness: A Biofilm Hypothesis“ (Plastic and Reconstructive Surgery). Diese Arbeit diskutiert mögliche Zusammenhänge zwischen bakteriellen Biofilmen und Beschwerden nach Brustimplantation.
  • De Boer, M., et al. (2017): „Breast Implant Illness: Symptoms, Patient Management, and Treatment Options“ (Aesthetic Surgery Journal). Hier werden Symptome, Häufigkeit und der aktuelle Wissensstand zur Behandlung dargestellt.
  • Magnusson, M., et al. (2019): „Systematic review of Breast Implant Illness: Is explantation effective?“ (Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery). Diese Übersichtsarbeit bewertet die Wirksamkeit der Implantatentfernung hinsichtlich der Symptomverbesserung.
  • American Society of Plastic Surgeons (ASPS): Stellungnahmen und Konsensuspapiere zu BII, die regelmäßig aktualisiert werden und einen Überblick über die Studienlage bieten.

Bitte beachten Sie, dass die Forschung zu BII noch nicht abgeschlossen ist und viele Studien methodische Einschränkungen aufweisen.

Ein ausführliches Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt ist daher bei Unsicherheiten besonders wichtig.

Warum wird die En-bloc-Resektion häufig gefordert? Die Rolle von Communities und Social Media

In Internetforen und sozialen Medien wird die En-bloc-Resektion oft als „Goldstandard“ empfohlen. Viele Patientinnen tauschen sich über Beschwerden und positive Erfahrungen mit dieser Methode aus. Gründe für die häufige Forderung sind:

  • Das Bedürfnis nach „vollständiger Entfernung“ vermeintlich schädlicher Gewebeteile
  • Erfahrungsberichte anderer Betroffener und Empfehlungen von Laien
  • Verunsicherung durch widersprüchliche Informationen im Netz

Wichtig zu wissen: Wissenschaftliche Daten und medizinische Leitlinien belegen nicht, dass die En-bloc-Resektion in jedem Fall Vorteile bringt. Die individuelle Beratung durch eine erfahrene Fachärztin oder einen Facharzt ist entscheidend.

Risiken der En-bloc-Operation: Technische Herausforderungen und Komplikationen

Die En-bloc-Resektion ist technisch anspruchsvoller als andere Methoden und birgt spezifische Risiken:

  • Größere Schnitte und längere Operationszeit: Um die gesamte Kapsel in einem Stück zu entfernen, sind oft größere Hautschnitte nötig.
  • Verletzung von Brustwand, Rippen oder Lunge: Besonders bei fest verwachsenen oder dünnen Kapseln kann es zu Verletzungen kommen.
  • Höheres Risiko für Nachblutungen und Wundheilungsstörungen
  • Verlust von Brustgewebe oder Formveränderungen

Diese Risiken sollten bei der Entscheidung für oder gegen eine En-bloc-Operation sorgfältig berücksichtigt werden.

Wann ist eine komplette Kapsulektomie sinnvoll? Indikationen und Alternativen

Eine vollständige Entfernung der Kapsel (totale Kapsulektomie, ggf. En-bloc) ist sinnvoll:

  • Bei nachgewiesenen bösartigen Erkrankungen (z. B. BIA-ALCL)
  • Bei auffälligen Veränderungen der Kapsel (z. B. starke Verhärtung, Verkalkung, Entzündung)
  • Wenn medizinische Gründe wie chronische Schmerzen oder wiederkehrende Flüssigkeitsansammlungen (Serome) vorliegen

In den meisten Fällen ohne auffällige Befunde ist eine partielle Kapsulektomie oder das Belassen unauffälliger Kapselanteile ausreichend und sicher.

Fazit: Empfehlungen für Patientinnen

  • Informieren Sie sich umfassend und lassen Sie sich von einer erfahrenen Fachärztin oder einem Facharzt beraten.
  • Die En-bloc-Resektion ist nicht immer notwendig und birgt zusätzliche Risiken.
  • Die Entfernung der Implantate verbessert häufig die Beschwerden, unabhängig von der Methode.
  • Die Wahl der Operationsmethode sollte individuell und nach medizinischer Notwendigkeit erfolgen.
  • Vertrauen Sie auf evidenzbasierte Medizin und nicht ausschließlich auf Berichte aus dem Internet.

Wenn Sie konkrete Beschwerden oder Unsicherheiten haben, suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt, um gemeinsam die für Sie beste Lösung zu finden.

Quellen und wissenschaftliche Studien

Wenn Sie sich tiefergehend zum Thema „Breast Implant Illness“ (BII) informieren möchten, empfehlen sich folgende wissenschaftliche Studien und Übersichtsarbeiten: